Der Kult um die Regenbogenfahne weitet sich aus: Er dient der moralischen Anmaßung, nicht der Gleichberechtigung
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Die Regenbogenfahne wird zum neuen Hoheitszeichen. Man kann ihr kaum entkommen. Ob vor Rathäusern, Parlamenten, Bibliotheken, Kirchen oder Universitäten, ob bei Unternehmen oder Vereinen: Die Regenbogenfahne versteht sich in diesen Tagen von selbst. Mit ihr stellen die Benutzer sich selbst einen Tugendschein aus: Wo sie weht, da lass dich ruhig nieder, nur böse Menschen finden sie zuwider.
Dieser Anspruch ist ein Problem: Wer nicht mitmacht bei den Regenbogen-Festspielen, soll sich als moralisch rückständig fühlen. Dadurch wurde die Fahne vom Zeichen der Gleichberechtigung zur Flagge einer Anmaßung.
„Kissler Kompakt“ vom 29. Juni sehen Sie hier:
Bärbel Bas färbt das Logo ein
Jeder Mensch darf sich in einer Demokratie zu seinen Überzeugungen bekennen. Doch ist es eine gute Idee, wenn das Arbeitsministerium unter Bärbel Bas den Bundesadler in einen Kreis mit den Regenbogenfarben steckt?
Dieses zusätzliche Bekenntnis schwächt das eigentliche Hoheitszeichen, den Bundesadler und die Nationalfarben. Das Bas-Ministerium vermittelt den Eindruck, erst mit den Regenbogen-Farben wäre Deutschland komplett.
Ilse Aigner macht mit
Diesen Irrtum verwalten auch CDU und CSU. Vor dem bayerischen Landtag und vor dem Sitz der bayerischen Landesregierung wehte schon im vergangenen Jahr die Regenbogenflagge. Landtagspräsidentin Ilse Aigner von der CSU gab ihren Trugschluss heiter zum Besten.
Die CSU-Politikerin Ilse Aigner behauptet also: Die Regenbogenflagge stehe für den demokratischen Wert der Toleranz. Dafür aber steht bereits die bayerische Verfassung. Für demokratische Werte steht erst recht der Landtag, dem Ilse Aigner offenbar vorsteht, ohne dessen Bedeutung ganz begriffen zu haben.
Der bayerische Staat darf niemanden diskriminieren. Im Landtag wiederum kommt das Volk in seinen Vertretern zusammen. Da braucht es kein moralisches Zusatzwapperl. Queere Aktivisten freut es natürlich, wenn sie den Staat unter die Fahne zwingen.
Das war der bayerische Landtagsabgeordnete Florian Siekmann, queerpolitischer Sprecher der grünen Fraktion. Für Herz und Charakter braucht es aber keine Regenbogenflagge. Oder ginge es ohne Regenbogenfahne im Parlament herzlos zu und charakterlos? Das eben ist moralische Anmaßung.
Regenbogen-Schirm beim katholischen Bischof
Es braucht erst recht keine Regenbogenfarben bei der Einführung eines katholischen Bischofs. Als der Münsteraner Oberhirte Heiner Wilmer sein Bistum übernahm, wirkte ganz deplatziert ein Laie mit. Die Ernennungsurkunde des Papstes las entgegen aller Tradition auch eine Frau vom Diözesankomitee vor – und diese Frau trug ein großes Tuch in den Regenbogenfarben.
Wenig später überreichten die Frau und ihr Kollege vom Diözesankomitee dem Bischof einen Regenschirm als Willkommensgeschenk – einen Schirm in Regenbogenfarben. Die erläuternden Worte des Mannes vom Diözesankomitee lassen keinen Zweifel. Damit war ein politisches Statement gemeint.
Der Regenbogen hat auch biblische Hintergründe. Doch heute ist er in erster Linie das Erkennungszeichen einer Ideologie. Sie bringt Unternehmen dazu, ihr Logo einzufärben. Sie veranlasst Universitäten zu erklären: „Juni ist Pride Month. Proud to be part of it.“ Sie lässt Bäckereien sagen, täglich wolle man „Zugehörigkeit möglich machen“.
Der Zug ins Uniforme, ins Konventionelle macht aus der Regenbogenfahne einen moralischen Fahnenappell. Und auf jedem Kasernenhof geht es um Gehorsam.
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Alexander Kissler
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