Stadt Celle gibt Integrationsprojekt auf: Arbeit für Migranten „unpraktikabel“ – Betreuer kosteten 60.000 Euro
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„Für Kommunen ist es weit mehr als unattraktiv, sondern vielmehr unpraktikabel, Flüchtlinge im Rahmen ihrer Möglichkeiten in ein Arbeitsverhältnis zu überführen.“
Mit diesem Satz zieht die Stadt Celle selbst ein vernichtendes Fazit unter ein Integrationsprojekt, das eigentlich Hoffnung machen sollte. Arbeit gilt als Schlüssel zur Integration. Genau das dachte sich auch die Stadt Celle und startete ein Projekt, um Migranten in einfache Arbeitsgelegenheiten zu bringen. Doch nach rund acht Monaten wurde das Vorhaben eingestellt. Zurück bleibt eine Bilanz, die kaum härter ausfallen könnte, und Kosten, die den Nutzen weit übertreffen.
80 von 119 Migranten waren nicht arbeitsfähig
Von insgesamt 119 Migranten, die für das Projekt in Betracht gezogen wurden, galten nach Angaben der Stadt 80 von Beginn an als nicht arbeitsfähig. Als Gründe nennt die Stadt unter anderem die Teilnahme an Sprach- und Integrationskursen, wobei bereits wenige Stunden pro Woche ausreichten, um von einer Arbeitsaufnahme ausgeschlossen zu werden. Hinzu kamen Betreuungspflichten für Kinder, obwohl die Stadt Celle grundsätzlich Kita-Plätze zur Verfügung stellt. Weitere Personen befanden sich in Teilzeitbeschäftigungen, in Ausbildung, in der Schule oder im Studium. Auch gesundheitliche Einschränkungen sowie Minderjährigkeit führten dazu, dass eine Arbeitsaufnahme nicht erfolgte.

Die belebte Fußgängerzone in der Altstadt von Celle mit vielen Fachwerkhäusern
Unterm Strich blieb damit nur ein sehr kleiner Personenkreis übrig. Tatsächlich eingesetzt wurden am Ende lediglich sieben Migranten.
Arbeitsbetreuer für 60.000 Euro
Nach Angaben der Stadt Celle wurde den eingesetzten Migranten eine Betreuungsperson zur Seite gestellt, die sie während der Arbeit begleitete und parallel mitarbeitete. Über die rund achtmonatige Laufzeit entstanden hierfür Kosten in Höhe von etwa 60.000 Euro. Grundlage der Berechnung war die maximal zulässige Wochenarbeitszeit von 25 Stunden pro Migrant.
Faktisch heißt das: Für eine Handvoll Migranten wurde eine zusätzliche Arbeitskraft organisiert, um deren Arbeit dauerhaft zu begleiten.
6 von 7 Migranten brachen vorzeitig ab
Doch selbst dieses Konstrukt führte nicht zum Erfolg. Von den sieben eingesetzten Migranten beendeten sechs ihre Tätigkeit vorzeitig, unter anderem aus gesundheitlichen Gründen. Vom einzigen positiven Beispiel berichtete der Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge (CDU) in einer Pressemitteilung (02.12.2025) der Stadt Celle: Ein Asylbewerber sei seit Beginn des Projekts bis jetzt im Fachdienst Straßenbetrieb im Einsatz und „in die betrieblichen Abläufe mittlerweile nahezu integriert“.
Konkrete Angaben, warum die sechs anderen Migranten ihre Tätigkeit vorzeitig beendeten, macht die Stadt aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht. Sanktionen konnten in diesen Fällen nicht ausgesprochen werden. Zwar seien Arbeitseinsätze und Fehlzeiten dokumentiert worden, Konsequenzen habe es jedoch keine gegeben.
Hinzu kommt, dass kommunale Arbeitsgelegenheiten rechtlich nachrangig sind. Vorrang genießen Sprach- und Integrationskurse, Ausbildung, Studium oder reguläre Beschäftigung – selbst dann, wenn diese nur einen sehr geringen zeitlichen Umfang haben.

Ein Asylbewerber ist laut der Stadt Celle seit Beginn des Projekts bis jetzt im Fachdienst Straßenbetrieb im Einsatz und „in die betrieblichen Abläufe mittlerweile nahezu integriert“. (Symbolbild)
73.000 Euro Kosten – 1.000 Euro Arbeitsleistung
Die finanziellen Aufwendungen für das Projekt waren hingegen erheblich. Insgesamt beliefen sich die Kosten auf rund 73.000 Euro. Der Großteil entfiel mit etwa 60.000 Euro auf Personal- und Betreuungskosten. Weitere Ausgaben entstanden für Arbeitskleidung, Materialien sowie Fahrzeugkosten. Für die tatsächlich erbrachte Arbeitsleistung erhielten die Migranten gemäß Asylbewerberleistungsgesetz 0,80 Euro pro Stunde, insgesamt rund 1.000 Euro im gesamten Projektzeitraum.
„Aufwand und Nutzen stehen in keinerlei Verhältnis“
Am Ende zieht die Stadt Celle die Konsequenz und stellt das Projekt ein. Auf Anfrage von NIUS heißt es aus der Pressestelle der Stadt: „Das Ergebnis ist mehr als ernüchternd. Aufwand und Nutzen stehen in keinerlei Verhältnis.“ Weiter erklärt die Stadt: „Unsere gemachten Erfahrungen haben keine andere Alternative zugelassen, als das Projekt aufzugeben.“ Besonders ernüchternd ist aus Sicht der Stadt, wie niedrig die Hürden gewesen sind, um von einer Arbeitsaufnahme befreit zu werden. Nach Angaben der Stadt reichten bereits zwei Stunden Sprachkurs pro Woche, um nicht arbeiten zu müssen. Auch die Angabe von Betreuungspflichten für Kinder führte dazu, dass eine Tätigkeit nicht aufgenommen wurde.
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