Weimer verdoppelte Filmförderung auf 250 Millionen Euro: Nun kommt die „Völkische Siedler“-Version von Romeo & Julia
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Vollmundig verkündete Wolfram Weimer, die Filmförderung auf 250 Millionen Euro jährlich verdoppelt zu haben. In der aktuellen Förderrunde findet sich nun auch der Film „Spross“ der Regisseurin Friederike Güssefeld. Darin geht es um die Liebe zwischen dem 12-jährigen Orlando und Freya, die aus einer Familie von „völkischen Siedlern“ stammt. Die Liebe des Paares wird schlussendlich von den völkischen Siedler-Eltern verhindert. Für diesen Plot gibt es 740.000 Euro staatliche Förderung.
Es ist schon ein bisschen wie Romeo & Julia. Nur anstelle der Montagues und Capulets, die sich hassen und die Liebe ihrer Sprösslinge verhindern, sind es nun die Familien von Orlando und Freya, die miteinander rivalisieren und die Liebe der Kinder verunmöglichen.
Dabei kommen Freya und Orlando eigentlich ganz gut miteinander aus, sogar sehr gut. In der Beschreibung des Films heißt es: „Die beiden streunen durch die Natur und ihr Dorf und alles könnte immer so weitergehen.“ Die Sache ist bloß: „Freya stammt aus einer Familie Völkischer Siedler.“
Verhindert die „Völkischer Siedler“-Familie von Freya aktiv die Liebe der zwei unschuldigen Kinder? Oder sind es Orlando und seine Familie, die nicht damit leben können, dass Freyas Eltern völkische Siedler sind? Es ist nicht ganz klar. In einer zweiten Beschreibung des Films ist von Orlando die Rede, der „entdeckt, dass sie [Freya] aus einer Familie völkischer Siedler stammt“.

Auch ein Brüderpaar kommt in „Spross“ vor.
So oder so, bricht irgendwann die „Erwachsenenwelt über den Köpfen der Kinder zusammen“. Darin stimmen alle staatlichen Stellen, die dem Projekt Steuergelder zur Verfügung stellen, überein.
NIUS fragte zur Klärung sicherheitshalber beim Hauptfinancier des Films, dem Kuratorium junger deutscher Film, an, ob es womöglich eine etwas ausführlichere Beschreibung gäbe. Das den Film mit über 500.000 Euro Staatsgeld fördernde Kuratorium unter Leitung von Christina Bentlage ließ die Anfrage unbeantwortet.
Queerness vs. völkische Siedler?
Auffällig ist auch eine andere Sache: Während die Regisseurin Friederike Güssefeld Freyas familiären Hintergrund klar benennt und dieser offenbar problematisch ist, lässt sie den von Orlando ziemlich im Dunkeln. Nur sein Name gibt womöglich Aufschluss darüber, mit welcher Konstellation man es hier eigentlich zu tun hat. Denn die Filmemacherin nennt den 12 Jahre alten Orlando wie die Hauptfigur aus dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf.
Orlando reist darin durch die Jahrhunderte, ist mal Frau, mal Mann. Der Name steht also ein bisschen für Queerness. Ein Telefonat von NIUS mit der Castingfirma, die man wiederum erreichen konnte, lässt zumindest darauf schließen, dass Orlando nicht explizit als „queere“ Figur angedacht ist. Die literaturhistorische Bedeutung aber bleibt.
Gedreht wird in der Uckermark
Gedreht wird „Spross“ zwischen Juli und September in der brandenburgischen Uckermark. Ironischerweise wohnen in der Gegend tatsächlich viele Leute, die man als „Siedler“ bezeichnen könnte – das sind aber in der Regel linke Stadtflüchtlinge aus dem grünen Großstadtmilieu.
Hauptfinancier des Kuratoriums junger deutscher Film, das „Spross“ mit 500.000 Euro fördert, ist Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. 220.000 Euro kommen vom Medienboard Berlin-Brandenburg. Weitere 20.000 Euro hatte man von dieser Stelle bereits im Jahr 2024 erhalten. Auch das ZDF ist bei der Produktion involviert.
Filme mit Rechtspopulisten und Hundekot
Mit 100.000 Euro Staatsgeld finanziert das dem Land Berlin unterstellte Medienboard in der aktuellen Förderrunde außerdem den Film „Britta Schlag“. Darin empfängt die fiktive Starmoderatorin Britta Schlag in ihrer Talkshow erstmals den Rechtspopulisten Christian Klamm. Mitten in der Sendung beschmiert ein Publikumsgast den Politiker schließlich mit Hundekot.
Die Moderatorin bekommt vor laufender Kamera einen Lachanfall. Der Film beschäftigt sich mit der tiefgründigen Frage, ob dieser Vorfall ihr Karriereende bedeutet.

Das Medienboard Berlin-Brandenburg fördert „Britta Schlag“ mit 100.000 Euro Steuergeld.
Ausländisches & lesbisches Erbe bewahrenswert, deutsche Familien unheimlich
Zumindest beim Kuratorium junger deutscher Film zeigt sich in der aktuellen Förderrunde ein Muster: Während beispielsweise eine iranische Familie vom Protagonisten „gerettet“ wird und lesbische und queere Aktivisten das „Erbe ihrer Vorgängerinnen bewahren“, findet sich bei einer ‚normalen‘ deutschen Familie ein „beunruhigender Familiennachlass“, natürlich aus der Zeit des Nationalsozialismus. Eine weitere deutsche Familie ist wegen der Flutkatastrophe im Ahrtal „tief gespalten“. Und handelt es sich bei der eigenen Familie um„völkische Siedler“, ist das eher auch nicht so gut für die Liebe.
NIUS fragte beim Kuratorium junger deutscher Film an, ob es sich bei dem Fördermuster um Absicht handle. Das Kuratorium ließ die Anfrage unbeantwortet. Wolfram Weimer erhöhte den Etat des Kuratoriums unter Leitung von Bentlage, die letztes Jahr in den Förderskandal um den Habeck-Film verwickelt war, dieses Jahr auf fast acht Millionen Euro.
Unter Weimer erhöhte die Bundesregierung die gesamte Filmförderung auf 250 Millionen Euro. Im Februar verkündete der Kulturstaatsminister, er wolle damit „kreative Exzellenz“ fördern. Insgesamt steckt der Bund sogar 310 Millionen Euro in die Filmförderung. Weimers Vorgängerin Claudia Roth (Grüne) hatte bereits die Förderquote – den Anteil der Kosten eines Films, den der Staat maximal übernehmen kann – von 20 auf 30 Prozent erhöht.
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