Fettig, deftig, ehrlich: Der Taxiteller ist zurück!
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Es war irgendwann in den 1970ern. Ein erschöpfter Taxifahrer irgendwo im Ruhrgebiet ordert nach einer langen Schicht Gyros. Doch der Spieß ist fast leer. Der Imbissbesitzer, ein Mann mit Pragmatismus statt Prinzipien, füllt die Lücke mit Currywurst, Tzatziki, rohen Zwiebeln. Pommes und Mayo obendrauf. Der Taxifahrer isst klaglos alles auf. Und findet es gut. Erzählt es weiter. Und so begann einer der folgenreichsten kulinarischen Unfälle der Bundesrepublik.
Jahrzehnte später geht der Taxiteller viral. TikTok dreht durch. Zwei Männer mit Vokuhila-Frisur ziehen durchs Land und bewerten Imbisse. Ryko, selbsternannter „Außenminister des Ruhrgebiets“ aus Essen, und Jan Schlappen, Parkour-Athlet mit Currywurst-Shirt. Zusammen haben sie über 600.000 Follower und ein gemeinsames Ziel: den perfekten Taxiteller finden. Irgendwo zwischen Dortmund und dem Rest der Welt.
„Könnteste auffe Fashionweek schicken“
Ihr bisher skurrilstes Event: ein Taxiteller-Treffen in Porta Westfalica. Hunderte Fans kamen. Ordner mussten den Verkehr regeln. Für einen Teller Pommes mit Gyros.
Ryko selbst fasste den Hype so zusammen: „Grundsätzlich ist das im Kern ja total bescheuert. Aber das bockt halt.“ Schlappen beim Anblick des vollen Tellers: „Könnteste auffe Fashionweek schicken.“
Der Teller voll wie früher. Gyros. Currywurst. Pommes. Tzatziki. Rohe, weiße Zwiebeln. Mayo. Keine Experimente. Keine Avocado. Kein Quinoa. Lieferando verzeichnet von 2024 auf 2025 einen 200-Prozent-Anstieg bei Taxiteller-Bestellungen in NRW. Sternekoch Pierre Beckerling hat sich hingesetzt und das Gericht professionell analysiert. Ergebnis: Es schmeckt gut.
Deftige Kalorienbombe
Wer einen klassischen Taxiteller isst, nimmt zwischen 1.000 und 1.600 Kalorien zu sich. Ein Ausdauersportler bräuchte dafür einen Halbmarathon. Der Taxifahrer von damals ist einfach weitergefahren bzw. hat sich nach der Nachtschicht schlafengelegt.

Mehr als 1.200 Kalorien hat ein Taxiteller, das ist die Hälfte des Tages-Kalorienbedarfs.
Worüber kein Foodblogger schreibt, weil er es nicht wagt: Rohe Zwiebeln werden im Dickdarm fermentiert. Die Folge nennt die Medizin Flatulenzen. Taxikunden wissen: Dagegen stinkt der Duftbaum am Rückspiegel nicht an. Das Tzatziki macht’s nicht besser. Knoblauch enthält Allicin, das sich im Körper in Schwefelwasserstoff umwandelt – jenem Stoff, der nach faulen Eiern riecht.
Der Hype hat Vorläufer. 2017 ein Twitter-Account. 2021 ein viraler Tweet. 2025 dann TikTok. Ein ehrliches Gericht kommt eben nie aus der Mode.
Der Taxiteller war gefühlt schon immer da. Er musste nur jemanden finden, der ein Video davon macht. Am Ende ist der Taxiteller mehr als ein Gericht. Er ist eine Lebenseinstellung. Eine, die Fitnesstracker ablehnt, Avocado ignoriert und weiß: Manche Dinge müssen nicht erklärt werden. Sie müssen nur schmecken.
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