Das Mädchen aus dem Main heißt Diana
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Eine Rekonstruktion der grausigen Tat könnte so aussehen: Irgendwann zwischen dem 28. Juli 2001, einem Samstag, und dem 31. Juli 2001, einem Dienstag, vermutlich aber am Sonntag, betritt ein damals 42-jähriger Mann in seiner Wohnung im hessischen Offenbach am Main einen dunklen Raum, in dem ein sechzehnjähriges Mädchen auf einer dreckigen Matratze kauert. Er tritt vor die Matratze, reißt das ängstlich zurückweichende Mädchen an den Armen hoch und schlägt dann mit beiden Fäusten und einem stumpfen Gegenstand immer wieder auf die ausgezehrte Gestalt ein. Er tritt das Mädchen mit den Füßen, stampft mit den Beinen auf Bauch und Oberkörper und kniet auf seiner Brust. Dabei bricht er dem Mädchen die Oberarme, er bricht ihm mehrere Rippen und zerstört dabei seine Lunge und seine Milz, was zu massiven inneren Blutungen führt.
Und weil ihm das immer noch nicht genug ist, drückt der Mann auf Armen und Gesicht des Mädchens brennende Zigaretten aus, reißt es an den Händen mehrmals hoch und wirft es wieder zurück auf den Boden. Das Mädchen hebt in größter Angst immer wieder die Arme hoch und legt sie um den Kopf und versucht wieder und wieder, sich wegzudrücken, aber der Mann ist viel zu stark für das ausgezehrte, auf die Knochen abgemagerte Mädchen, das bei einer Größe von 1,67 m nur noch 38 Kilogramm wiegt. Ein gesundes Mädchen seiner Größe würde 60 Kilogramm wiegen.
Eine halbe Stunde lang schlägt, tritt und prügelt der Mann auf das Mädchen ein, das, seit Jahren unterernährt und ausgemergelt, jetzt schwächer und schwächer wird und durch die auftretenden inneren Blutungen nach und nach das Bewusstsein verliert – bis es nach ein oder zwei Stunden, während derer es wimmernd, röchelnd und Blut erbrechend auf dem Boden liegt, schließlich stirbt.
Das Mädchen wird in den Main geworfen
Am Sonntag, dem 29. Juli 2001, ist es in Offenbach heiß bei Temperaturen von 31 Grad, und im Sommer riechen Leichen schon nach einem Tag, deshalb beschließt der Mann, das Mädchen aus der Wohnung zu schaffen und irgendwo zu entsorgen. Also nimmt der Mann mehrere meterlange weiße und bunte Textilbänder, bindet damit die blutige Leiche in Hockstellung zusammen und wickelt sie erst in ein Frottee-Tuch und danach in einen Bettbezug mit Leopardenmuster, beides Massenware vom Discounter aus der Familienwohnung und wie alles dort: schäbig und billig. Vermutlich vom kleinen Balkon der Wohnung nimmt der Mann einen weißen Sonnenschirmständer der holländischen Marke ELFE, wie er von Baumärkten in ganz Deutschland tausendfach verkauft wird, und bindet ihn an das braune Bündel mit dem toten Mädchen.

Dann packt der Mann, vermutlich in Gemeinschaft mit Familienmitgliedern, denn allein könnte er das kaum, die Tote mitsamt dem daran gebundenen Schirmständer nach Einbruch der Dunkelheit in ein Auto. Und dann fahren der Mörder und seine Gehilfen mit dem Auto von Offenbach über die A3 vorbei am Flughafen Frankfurt am Main die 25 Kilometer nach Frankfurt-Nied, in eine Gegend und an eine Stelle, die der Mann oder jemand aus seinem Umfeld vielleicht kennt. Dort stellen sie ihr Auto zwischen der Griesheimer Staustufe und der Schwanheimer Brücke am Ufer des Mains ab, zerren das Bündel mit dem toten Mädchen aus dem Auto und werfen es in den dunkel dahinfließenden Fluss.
Keiner weiß, wer das Mädchen ist
Aber jetzt machen der Mörder und seine Helfershelfer einen Fehler: Das Bündel mit dem toten Mädchen versinkt nicht wie geplant in den Tiefen des Mains, sondern wird oberhalb der Wörthspitze, wo der Fluss eine 40-Grad-Biegung macht, von der starken Strömung erfasst und bis zur Einmündung des Flüsschens Nidda mitgerissen. Dort wird es zwölf Stunden später mit dem immer noch daran hängenden Schirmständer am Mainufer angeschwemmt, wo es im Ufergestrüpp auf einer Kiesbank liegen bleibt. Und hier wird es am 31. Juli 2001 gegen 14.40 Uhr von einem Spaziergänger gefunden, der den Fund der Polizei meldet.
Damit beginnt einer der rätselhaftesten Cold Cases der deutschen Kriminalgeschichte. Denn keiner weiß, wer das Mädchen ist, wie es heißt, wo es gemeldet und wo zu Hause war, in welchen Kindergarten oder welche Schule es gegangen ist. Noch rätselhafter ist die Tatsache, dass keiner die unbekannte Tote zu vermissen scheint. In Deutschland werden je nach Jahr zwischen 30 und 40 Mordopfer im Freien gefunden – aber so gut wie immer findet die Polizei heraus, wer der oder die Tote ist, weil vorher eine Vermisstenanzeige gestellt wurde, weil Freunde, Verwandte, Kollegen oder Nachbarn das Verschwinden der Person bemerkt und gemeldet haben. Aber nicht in diesem Fall. Keine Eltern, keine Geschwister, keine Großeltern, Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins, keine Lehrer, Freunde oder Nachbarn – niemand scheint das 16-jährige Mädchen aus dem Main zu vermissen. Mit Ausnahme der Leiche scheint es nicht einen Beweis dafür zu geben, dass dieses schwarzhaarige Mädchen aus Haut und Knochen überhaupt existiert hat.
Und seltsam: kein Arzt, keine Krankenschwester und kein Therapeut wissen etwas von den vielen Verletzungen des Mädchens, denn bei einer Obduktion wird schnell klar, dass das tote Mädchen in seinem kurzen Leben grausamen Misshandlungen ausgesetzt war. Der Fahndungsaufruf des Bundeskriminalamts (BKA) lässt daran überhaupt keinen Zweifel: „Das Mädchen hatte multiple Verletzungen am ganzen Körper, die auf lang andauernde, schwerwiegende Misshandlungen schließen lassen und nicht ärztlich versorgt wurden. Beide Oberarme waren mehrfach gebrochen und in Fehlstellungen verheilt. An Stirn, Rumpf und Beinen fanden sich zahlreiche längliche Narben. Der Körper wies zudem zahlreiche Brandverletzungen auf, die an Verbrennungen von Zigaretten erinnern. Das Mädchen war defloriert, hatte keine Anzeichen für eine Schwangerschaft und keine Anzeichen einer Genitalverletzung. Als Todesursache wurden durch stumpfe Gewalt hervorgerufene Rippenbrüche festgestellt, die Lunge und Milz verletzt haben und das Mädchen in der Folge durch inneres Verbluten verstorben ist.“
Ein Vierteljahrhundert tappen Kriminalpolizei und Hessisches Landeskriminalamt im Dunkeln, obwohl sie alle erdenklichen Anstrengungen unternehmen, um die Identität des Mädchens festzustellen: Sie gleichen die Charakteristika der Toten mit nationalen und internationalen Vermisstenfällen ab, analysieren DNA-Spuren an Kleidung, Textilien und dem Sonnenschirmständer wieder und wieder, lassen mehrfach Gesichtsrekonstruktionen anfertigen und prüfen über Jahre hinweg Hunderte Hinweise.

Obwohl es nie eine Vermisstenmeldung gab und keinem das Mädchen zu fehlen scheint, steht von Anfang an fest, dass es sich nicht um eine Deutsche handelt, sondern um ein Mädchen aus Afghanistan, Pakistan oder Nordindien. Darauf deuten nicht nur Haare, Haut und Aussehen, sondern auch die Textilbänder hin, mit denen die Tote gefesselt wurde. Bei diesen handelt es sich um sogenannte Nalas – traditionelle, handgefertigte Stoffbänder, die in Pakistan, Afghanistan und Nordindien als Kordelzug verwendet werden, um weite Hosen festzuziehen. Männer in Pakistan und Afghanistan tragen weiße, Frauen bunte Nalas. Da im Bündel mit dem toten Mädchen sowohl weiße als auch bunte Nalas gefunden wurden, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass ein Mann und eine Frau entweder aus Pakistan oder Afghanistan mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun haben.
Mordopfer muss aus Pakistan, Afghanistan oder Nordindien stammen
Nach und nach verdichten sich die Hinweise zur Herkunft des Mädchens. Kriminalpolizei und Landeskriminalamt geben eine Isotopenanalyse in Auftrag, die ebenfalls zeigt, dass das Mordopfer aus Pakistan, Afghanistan oder Nordindien stammt. Aber diese Analyse zeigt noch mehr: Die Tote ist zwischen dem vierten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr, also zwischen 1985 und 1990, nach Deutschland gekommen und hat auf jeden Fall ihre letzten beiden Lebensjahre, also 2000 und 2001, in Deutschland verbracht.
Nach dem Fund der Leiche vergeht ein Vierteljahrhundert, bis sich etwas tut. Als das tote Mädchen im Main gefunden wurde, waren die ersten Harry-Potter-Bände auf den Bestsellerlisten ganz oben, in den Kinos lief der grüne Held Shrek, in Deutschland wurde noch mit der D-Mark bezahlt, die Aktienmärkte standen kurz vor dem Absturz, die Regierung Schröder bastelte an der Riester-Rente, in den USA bereiteten sich 19 muslimische Attentäter darauf vor, Passagierflugzeuge in die New Yorker Twin Towers zu fliegen, und der meistverkaufte Hit in Deutschland lautete „Daylight in Your Eyes“ von den No Angels.
Und dann gehen 25 Jahre ins Land, während derer Kriminalpolizei, das Hessische Landeskriminalamt und das Bundeskriminalamt mal stärker, mal weniger stark an dem Fall der Toten aus dem Main arbeiten, ihre Arbeit aber nie einstellen. Die Ermittler werden erstaunlich kreativ: Sie lassen in Afghanistan, Pakistan und Nordindien in Schulen, Kirchen und Jugendzentren erst auf Deutsch und Arabisch, dann auch in Farsi, Urdu, Dari und Paschtu Plakate anschlagen und nach dem Mädchen fahnden. Aber auch dort kennt keiner die Tote. Sie erstellen eine Liste mit Tausenden Frauen aus diesen Ländern, die bis zum Jahr 2001 in Deutschland gelebt haben, aber auch da ist das Mädchen nicht dabei.

Mord verjährt nicht
Jahre und Jahrzehnte vergehen, und Deutschland verändert sich. Der Euro wird eingeführt (2002), die Hartz-IV-Reformen setzen Lebenskünstler unter Druck (2003), die Fußball-Weltmeisterschaft löst eine beispiellose Welle der Euphorie aus (2006), die Finanzkrise erschüttert die ganze Welt (2008), die Flüchtlingskrise zerstört den deutschen Zusammenhalt (2015), die Corona-Krise ruiniert Haushalte, Wirtschaft und öffentliches Leben (2020), Olaf Scholz propagiert eine Zeitenwende, von der keiner etwas merkt (2022), und Friedrich Merz verkündet eine Reformwende, von der auch keiner was merkt (2025).
Aber Mord verjährt in Deutschland nie. An sogenannten Cold Cases, die Jahre und Jahrzehnte lang ungelöst bleiben, wird immer weiter ermittelt. Auch im Fall des Mädchens aus dem Main rollen die Ermittler den Fall immer wieder neu auf, untersuchen alte Spuren mit moderner Technik und suchen gezielt auch in migrantischen Communitys nach Zeugen oder Angehörigen. Mit besserer Software wird das Gesicht des Mädchens im Jahr 2024 ein zweites Mal deutlich realistischer rekonstruiert und vom Hessischen Landeskriminalamt veröffentlicht.
Im selben Jahr wird der Fall schließlich Teil der internationalen Kampagne „Identify Me“ des Bundeskriminalamt und von Interpol – ein letzter großer Versuch, dem Mädchen nach fast 25 Jahren endlich seinen Namen und seine Identität zurückzugeben. In dieser Liste ungeklärter Mordfälle an Frauen ist „das Mädchen aus dem Main“ das einzige Opfer, von dem gar nichts bekannt ist; alle anderen haben wenigstens einen Namen.
Noch einmal werden die Umstände des Todes ausführlich geschildert, wieder werden die Fundstücke gezeigt, die auf einer Kiesbank am Main gefunden wurden: der billige Bettbezug mit dem Leopardenmuster, der weiße Schirmständer und die weißen und violetten Nalas, mit denen das Mädchen noch im Tod gefesselt war.
Und dann macht die hessische Polizei plötzlich einen spektakulären Durchbruch. Am 18. Mai gibt sie bekannt: Der Name des toten Mädchens im Main ist Diana S. Und tatverdächtig als ihr Mörder ist – ihr eigener Vater. Ein 67-jähriger Pakistaner, der vor Jahrzehnten nach Deutschland gekommen ist und inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Auf die Spur gekommen waren die Ermittler dem Pakistaner angeblich durch Hinweise aus der „Bevölkerung“ nach dem letzten Fahndungsaufruf. Aber das ist schwer zu glauben. Wahrscheinlicher ist, dass die Hinweise zur Festnahme des mutmaßlichen Mörders nicht aus der Bevölkerung kamen, sondern aus dem familiären Umfeld, wenn nicht sogar aus der eigenen Familie – denn dieser Mord hat sich, möglicherweise mit dem Mitwissen anderer Familienmitglieder, entweder im engsten Familienkreis oder der erweiterten Großfamilie abgespielt.
Mutmaßlich im Kreis der Familie wurde das Mädchen jahrelang gefoltert, geschlagen, getreten und bis aufs Blut gequält. Womöglich in der Familienwohnung wurde sie noch als Minderjährige entjungfert, wurden ihr Scham- und Achselhaare rasiert, wurden ihr in einem dunklen Verlies die Arme immer wieder gebrochen, bis die Knochen schief und krumm zusammenwuchsen. Eventuell in einem der vielen Wohnblöcke im heruntergekommenen Offenbacher Nordend, in der Bettinastraße, Goethestraße oder Bernardstraße, in Rufweite Tausender anderer Menschen, die in dieser urbanen Hölle leben, wurden dem Mädchen lange Narben an Stirn, Rumpf und Beinen zugefügt und ein schreckliches Blumenkohlohr beigebracht, wie es sonst nur Ringer haben. Bis zu jenem heute schon so fernen Julitag des Jahres 2001, als der eigene Vater seine eigene Tochter in der Familienwohnung erst totschlug und dann in den Main warf.
Kulturelle „Omertà“
Wenn es nur ein einziges Argument gegen die unkontrollierte Massenmigration aus muslimischen Gebieten bräuchte: Hier ist es. Dieser grauenhafte Mord an einem Kind mitten in Deutschland war nur in einem traditionell muslimisch geprägten Familienumfeld möglich. Dieser Mord, der 25 Jahre lang totgeschwiegen wurde, um Täter, Mittäter und Helfershelfer vor Strafe zu schützen, ist nur mittels einer kulturellen „Omertà“ in einem althergebrachten Familienkontext denkbar. Eine solche Leidensgeschichte ist nur im vormodernen, patriarchalischen und zutiefst frauenfeindlichen Milieu einer steinzeitlichen Kultur vorstellbar.
Der sensationelle Durchbruch in diesem Fall, der von vielen Medien jahrelang unter ganz bewusstem Verzicht auf allen Kontext als Femizid präsentiert wurde, hat bei traditionellen Medien sofort zu einer Welle der Negierung geführt. In muffigen Schreibstuben begannen winzige Köpfe an ramponierten MacBooks sofort damit, mit einem aller Fakten beraubten Narrativ den Fallout dieses Falles zu begrenzen, damit keiner die Wahrheit erfährt. Die meisten Medien kommen bei der Darstellung von Fall und Aufklärung ohne jeden Hinweis auf den pakistanischen Vater, afghanische Nalas und jeden kulturell-religiösen Hintergrund aus, so als hätten all diese Dinge überhaupt keine Rolle gespielt.
Der bevorstehende Prozess wird zeigen, dass dem nicht so ist. Denn es wird ein langer Prozess werden, einer, in dem der Täter weder Schizophrenie heucheln noch Trunkenheit, Drogenkonsum oder Medikamentenkonsum vorschützen, noch eine spontane Eskalation im Affekt behaupten kann. Und der Prozess wird auch zeigen, dass sowohl die Tat als auch die Beseitigung der Leiche und die langen Jahre des Schweigens die Sache einer Familie und nicht eines Einzelnen waren.
Wie hat der österreichische Satiriker Karl Kraus einmal gesagt: „Das Wort Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit.“
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Markus Brandstetter
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