Merz in Mecklenburg-Vorpommern: Der Beifall war enden wollend
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Die Süddeutsche Zeitung beschreibt diesen Auftritt mit einer Überschrift, von der man nicht weiß, ob sie ernst gemeint ist oder satirisch. Sie lautet: „Hier sind sie stolz auf den unbeliebten Kanzler.“ Der Text entspricht dem Tenor der Überschrift. Er beginnt mit den Worten: „Friedrich Merz hält bei der CDU in Mecklenburg-Vorpommern eine eindringliche Rede, in der er vor dem ‚Big Bang‘ warnt, wenn die Reformen nicht klappen. Über den freundlichen Empfang freut er sich aufrichtig …“
Viel mehr falsch geht nicht in einer Zeile. Wer sich die Szene im Video anschaut, sieht einen eher frostigen Empfang, freundlich gesagt. Der Einzige, der applaudierte, war Philipp Amthor, von April 2024 bis Mai 2025 Generalsekretär der CDU in Mecklenburg-Vorpommern. Er scharwenzelte vor der Rede von Friedrich Merz um den Kanzler herum und applaudierte aufmunternd, damit seine Kollegen mitapplaudierten.
Standing Ovations sehen anders aus
Nach der Rede des Kanzlers war es auch Philipp Amthor, der den Applaus dirigierte. Erst im Sitzen, beim Klatschen unruhig hin- und her rutschend, dann stand er auf, nickte den anderen zu, bis eine Art Standing Ovation entstand. Zögerlich klatschten die anderen mit. Einer nach dem anderen quälte sich aus seinem Stuhl und stand auf.
Mir fällt für diese Art kargen Zuspruch der geniale Buchtitel eines der bedeutendsten Theaterkritiker aller Zeiten ein: Friedrich Torberg (1908 bis 1979). Er persiflierte die Theaterkritiken jener Zeit (und das ist heute noch so), deren Texte – wenn es nicht ein Totalverriss war – mit dem Satz aufhörten: „Der Beifall war nicht enden wollend.“
Klatschen, klatschen, klatschen, bis die Hände wehtun
Man kennt diesen Vorgang des nicht enden wollenden Beifalls auch aus Konzerten, um die Künstler zu einer Zugabe zu bewegen: klatschen, klatschen, klatschen, bis die Hände wehtun und der Sänger noch mal auftritt. Oder der Pianist, Geiger, Trompeter.
Nun stellen wir uns mal diese Szene bei einer Friedrich-Merz-Rede vor: Der Beifall braust (so sagt man im Theaterdeutsch), braust und braust. Merz tritt wieder auf und hält nochmal eine Rede.
Ach, das wollen wir uns lieber nicht vorstellen. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir: Wer da zu lange klatscht, wird nicht mit dem Leben bestraft, sondern mit einer Zusatzrede.
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