Grausamer als bei Hänsel und Gretel: Eltern ließen ihre Kinder allein im Wald zurück
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Es ist wohl das Grausamste, was Eltern ihren Kindern antun können: Sie in einen Wald zu bringen und sie dort allein zurückzulassen.
So ist es geschehen in einem Waldstück zwischen der Stadt Alcácer und dem portugiesischen Badeort Comporta. Die beiden ausgesetzten Jungs sind erst drei und fünf Jahre alt. Sie wurden allein auf staubiger Straße gefunden, zu der sie sich durchgeschlagen hatten: Polizisten der portugiesischen Nationalgarde fanden sie: weinend, verzweifelt, auf der Suche nach Hilfe. Einer hielt sein Kuscheltier fest umklammert.
Es geschah mit voller Absicht
Die aus Frankreich stammenden Kinder erzählten ihre erschütternde Geschichte: Die Mutter und der Stiefvater hatten die Kleinen mit verbundenen Augen im Wald gelassen, angeblich als Teil eines Spiels. Als die Jungs die Augenbinden abnahmen, waren die Eltern nicht mehr da. Sie hatten den Kindern etwas Obst, Kekse und eine Flasche Wasser in den Rucksack gesteckt. Es war also kein Unglück oder ein Zufall, die Kinder allein im Wald zu lassen, sondern es geschah mit voller Absicht.
Diese Geschichte erinnert mich an das berühmte Märchen „Hänsel und Gretel“ der Gebrüder Grimm. Ein Ehepaar lebte mit seinen Kindern tief im Wald. Der Mann seufzte: „Wie können wir unsere armen Kinder ernähren, da wir für uns selbst nichts mehr haben?“ „Weißt du was, Mann“, antwortete die Frau, „wir wollen morgen in aller Frühe die Kinder hinaus in den Wald führen, wo er am dicksten ist. Da machen wir ihnen ein Feuer an und geben jedem ein Stück Brot, dann gehen wir wieder an unsere Arbeit und lassen sie allein. Sie finden den Weg nicht.“

Was die Gebrüder Grimm 1812 aufgeschrieben haben, ist ein Traktat von Armut und Grausamkeit, von einsamen Kindern – und einem versöhnlichen Ende.
Die Urangst der Kinder – allein im Wald
Das Märchen endet bekanntlich nicht traurig, die Kinder finden nach vielen Abenteuern zurück ins Leben. Was die Gebrüder Grimm 1812 aufgeschrieben haben, ist ein Traktat von Armut und Grausamkeit, von einsamen Kindern – und einem versöhnlichen Ende.
Auch wenn es einige Jahrzehnte her ist – kein anderes Märchen hat mich so in seinen Bann gezogen wie Hänsel und Gretel. Und das hat einen einzigen Grund. Die Vorstellung, von seinen Eltern im Wald ausgesetzt zu werden – dort, wo er besonders tief und finster ist –, war für mich als Kind gruselig und angsteinflößend. Und ehrlich gesagt: Wer als Erwachsener nachts allein in den Wald geht und nicht gerade Jäger ist, kann sich von einem gewissen unheimlichen Gefühl auch nicht frei machen, so geht es mir jedenfalls, auch heute noch.
Tiefe Wälder sind ein Idyll voller Schönheit. Für Kinder können sie aber auch ein Ort des Schreckens sein – wie im Märchen Hänsel und Gretel. Oder, noch schlimmer, in einem Wald in Portugal, wo grausame Eltern ihre Kinder ausgesetzt haben.
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