Deutscher Händler für „seltene Erden“: „Die Amerikaner und Japaner kaufen gerade den Markt leer“
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Der Unternehmer Andreas Kroll handelt seit zwölf Jahren mit seltenen Erden, er nennt sie „Kokain der Industrie“. 2025 setzte er mit seiner Berliner Metallhandelsgesellschaft Noble Elements 37 Millionen Euro um, 2026 sollen es fast 100 Millionen Euro werden. In einem Interview mit dem Handelsblatt spricht Kroll über die Abhängigkeit von China und warum seltene Erden langfristige Abnahmeverträge brauchen – und weshalb sie auch etwas für Privatanleger sind.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen.
Warum das Thema „seltene Erden“ in Deutschland so kompliziert ist
„Es wird Jahre dauern, bis Deutschland seltene Erden zum Beispiel aus Australien bekommt. Zeit, die wir eigentlich nicht haben. Die USA gehen das Thema seltene Erden entschlossener und schneller an – das Kriegsministerium investiert umfangreich, aber sie haben auch strategisch einen guten Vorschlag unterbreitet. Die geplante Handelszone für seltene Erden unter der Führung der USA mit der EU und Japan, die Mindestpreise festlegt, ist eine richtig gute Idee.“
Keine seltenen Erden mehr aus China
„Wir haben bereits vor mehr als einem Jahr begonnen, uns immer mehr seltene Erden und Technologiemetalle unabhängig von China zu machen. Wir haben uns überall auf der Welt Partner gesucht, die jetzt schon oder in der Zukunft diese Elemente liefern können. Seit 2024 verlassen keine schweren seltenen Erden für die Rüstung China, bald womöglich auch die leichter zu gewinnenden leichteren seltenen Erden nicht mehr. Wir sind für die Rüstungsindustrie inzwischen komplett unabhängig von China aufgestellt. Denn: Die Chinesen werden uns nicht helfen, die NATO aufzurüsten. Und das wird sich nicht ändern.“
Die deutsche Industrie und der Bergbau
„Die deutsche Industrie ist weit weg von Bergbau und Veredelung. Sie will weder Minen noch Raffinerien betreiben. Diesen Auftrag nehmen wir für uns an. Wir möchten uns von China unabhängig machen, das haben wir bei Antimon, Praseodym, Neodym, Terbium und Dysprosium bereits geschafft. Wir müssen viele Projekte prüfen, nicht jedes ist erfolgreich. Derzeit fokussieren wir uns auf Brasilen.
Seltene Erden und die Finanzindustrie
„Wir halten es für absolut notwendig, dass die Finanzindustrie in den Markt für seltene Erden und Technologiemetalle eintritt. Weil nur sie Milliardenbeträge schnell mobilisieren kann. Der Staat wird es nicht tun, die Industrie auch nicht. Die Finanzindustrie übernimmt einen Teil der Risiken, wenn der Staat zumindest die Marktmacht Chinas ausbremst und genug Renditechancen in Aussicht stellt. Schon heute hat die Finanzindustrie dazu beigetragen, dass unsere Lager voll sind.
Sind seltene Erden etwas für Privatanleger?
„Es sind schon unheimlich viele Privatanleger in diesem Markt aktiv. Zunehmend engagieren sich auch Family Offices und andere institutionelle Investoren. Der Markt ist aber hoch volatil und niemand sollte mehr als fünf bis zehn Prozent des zur Verfügung stehenden Anlagevermögens hier hineingeben. Die Renditen sprechen derzeit eine deutliche Sprache, und wer weiß, eines Tages werden seltene Erden hoffentlich an einer Börse gehandelt.“
Seltene Erden sind eine Gruppe von 17 chemischen Metallen (zum Beispiel Neodym oder Cer). Sie sind gar nicht so selten, aber sie kommen in der Natur nur in sehr geringen Mengen vor. Ohne seltene Erden würde unsere moderne Technik nicht funktionieren – sie werden fast in allen elektronischen Geräten verbaut, da sie besonders hitzebeständig sind (die Redaktion).
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