Energiewende: Das grüne Geschäftsmodell bricht zusammen
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Die Energiewende sollte nicht nur die Klimarettung sein, sondern auch noch ein großartiges Geschäftsmodell. Das wird uns stets erzählt, von Merkel über Habeck bis Merz. Doch genau dieses Geschäftsmodell scheitert gerade vor unseren Augen. Weil es eben wirtschaftlich nicht funktioniert. Energiekonzerne ziehen jetzt deswegen die Notbremse, um nicht noch mehr Milliarden zu verbrennen beziehungsweise in den Wind zu schreiben. Und das nicht nur in Deutschland.
Französischer Konzern will raus aus der Windkraft
Vor drei Jahren war der französische Konzern TotalEnergies noch der Heilsbringer der deutschen Offshore-Windkraft. Das Energieunternehmen hatte 2023 in einer spektakulären Auktion fast sechs Milliarden Euro für Windparkflächen in der deutschen Nord- und Ostsee geboten – und 2024 noch einmal knapp zwei Milliarden Euro draufgelegt. Quasi über Nacht war der französische Konzern zum Schwergewicht der deutschen Windbranche aufgestiegen. Die Politik jubelte. Die Energiewende war auf Kurs.
Heute sieht das anders aus. Auf einer internen Sitzung Anfang Mai sollen Vertreter von TotalEnergies offen ausgesprochen haben, dass das Unternehmen seine Windparkflächen loswerden will, berichten jetzt NDR und Süddeutsche Zeitung. Kein Rumreden, kein Weichspülen, einfach raus. In einem internen Diskussionspapier heißt es, einzelne Projekte aus den Auktionsrunden 2023 bis 2025 könnten „voraussichtlich nicht realisiert“ werden. Als Begründung: Netzausbau-Verzögerungen und veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Das klingt nach Bürokratendeutsch, bedeutet aber im Klartext: Das Projekt rechnet sich nicht mehr.

Vor drei Jahren war der französische Konzern TotalEnergies noch der Heilsbringer der deutschen Offshore-Windkraft.
Die Gründe für das Scheitern sind lange bekannt – doch die „Klimapolitik“ interessiert das nicht
Es sind immer dieselben Gründe, die dafür sorgen, dass sich politisch gefeierte Megaprojekte bei „grünen Energien“ nicht rechnen können. Eigentlich ist das von vornherein klar, weil sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stetig verschlechtern und weil unter dem Strich rote Zahlen herauskommen, die noch nicht mal mehr durch Milliarden-Subventionen des deutschen Steuerzahlers ausgeglichen werden können.
Die Kosten für Windparks schießen unaufhaltsam durch die Decke. Das liegt an immer weiter steigenden Preisen für Material und Rohstoffe und an unzähligen Auflagen aus Brüssel und aus Berlin, die beachtet werden müssen. Dann fehlt die Infrastruktur. Das bezieht sich natürlich auf die Netze für den Stromtransport, die zwar seit Jahren angekündigt werden, aber auf absehbare Zeit nicht kommen werden. Es bezieht sich aber auch auf die Infrastruktur an Straßen und Schienen und Häfen in Deutschland, die gar nicht ausgelegt ist für solche riesigen Windräder.
Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die Einnahmen aus Windenergie extrem schlecht oder überhaupt nicht zu kalkulieren sind. Weil es eben keine konstante Versorgung mit Wind gibt und weil die Preise extrem schwanken, sogar so weit, dass es negative Strompreise gibt, Unternehmen also Geld verlieren, wenn sie Windstrom erzeugen. Projekte können sich über Jahre verzögern, weil es eine Unmenge an Möglichkeiten zu klagen gibt, die gerne ausgerechnet von Umweltschützern und Klimaschützern genutzt werden. Das alles ist bekannt. Seit Jahren und Jahrzehnten. Doch genauso lange weigert sich die Politik, diese Realitäten anzuerkennen. Jetzt wird sie eben von der Realität eingeholt, weil die Energieunternehmen die radikalen Entscheidungen treffen, die sie treffen müssen.
Pikantes Detail für die Windkraft-Fans in Berlin und anderswo in der Republik: Total will die Flächen nicht nur zurückgeben, der Konzern fordert auch noch Geld vom Staat zurück. Konkret soll die hinterlegte Sicherheitsleistung von 750 Millionen Euro zurückerstattet werden, und vom künftigen Projektnachfolger (wenn sich denn jemals einer findet …) möchte das Unternehmen einen Abschlag für durchgeführte Voruntersuchungen kassieren.
Die Folge: ein Milliardenloch in der Energiewende
Die Flächen von Total sollten einmal Windräder mit einer Gesamtkapazität von 7,5 Gigawatt tragen. Zum Vergleich: Aktuell sind vor den deutschen Küsten Anlagen mit weniger als zehn Gigawatt in Betrieb. Fällt Total aus, fällt also ein Schlag weg, der die installierte Offshore-Kapazität Deutschlands fast verdoppelt hätte. Und 90 Prozent der Erlöse aus den bisherigen Offshore-Auktionen sind bereits verplant. Und zwar als Deckel für Netzentgelte und Strompreise. Würde Totals Vorhaben Realität, fehlten über sieben Milliarden Euro für genau diesen Zweck. Merz und seine Regierung müssten noch ein Wahlversprechen kassieren. Es wäre nicht das erste …
Das Bundeswirtschaftsministerium gibt sich nach außen gelassen. Ein Sprecher erklärte gegenüber dem NDR, das geltende Gesetz sehe eindeutig vor, dass ein Zuschlag nicht zurückgegeben werden dürfe. Stimmt; aber das Gesetz erlaubt auch erst ab Herbst 2027 Vertragsstrafen oder den Entzug von Projektrechten. Bis dahin kann Total treiben lassen, Verzögerungen produzieren und das Projekt auf Sparflamme halten.
Währenddessen könnte es bald die nächste Hiobsbotschaft für die Energiewende und den deutschen Sonderweg in Europa und der Welt geben. Der Grund heißt: BP. Beim zweiten großen Energiekonzern aus der Auktion 2023 verdichten sich die Anzeichen, dass auch er seine Milliarden-Projekte nicht umsetzen wird. Die Büros der Projektgesellschaft in Berlin und Hamburg befinden sich Berichten zufolge in Auflösung. Ein ziemlich sicheres Zeichen, dass BP die Vorhaben intern schon längst „gekillt“ hat.

Es sind immer dieselben Gründe, die dafür sorgen, dass sich politisch gefeierte Megaprojekte bei „grünen Energien“ nicht rechnen können.
Vom Winde verweht – nicht nur in Deutschland werden Monster-Windparks gestrichen
Franzosen und Briten scheitern in Deutschland, Deutsche scheitern in England. So könnte man den Zustand des Geschäftsmodells Windkraft beschreiben. Denn das Problem ist nicht auf Deutschland beschränkt. Der deutsche Energieversorger EnBW hatte vor der britischen Küste das bisher größte Offshore-Projekt seiner Unternehmensgeschichte geplant: die Windparks Mona und Morgan mit einer potenziellen Gesamtleistung von drei Gigawatt. Gemeinsam übrigens mit BP. Herausgekommen ist jedoch eine satte Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro. Geld weg.
Der Hauptgrund: EnBW ging in der jüngsten britischen Förderrunde leer aus und erhielt keine staatliche Unterstützung. Dazu kamen gestiegene Lieferkettenkosten, gesunkene Großhandelspreise für Strom und höhere Zinsen. Das klassische Dreifach-Problem der Windkraft in der Post-Boom-Phase. BP hatte seine Strategie ohnehin schon auf Druck der Aktionäre geändert und sich wieder auf fossile Energien konzentriert. Auf einmal war für EnBW der Partner also weg, bevor der erste Spatenstich gesetzt wurde. Drei Milliarden Euro hatte EnBW kurz vorher noch über eine Kapitalerhöhung eingesammelt. Ein Teil davon wird jetzt in der Abschreibung faktisch verbrannt.
Amerika macht es anders
Wer denkt, das sei alles nur ein europäisches Problem, sollte einen Blick in die USA werfen. Dort zahlt die Regierung Energieunternehmen dafür, aus der Windkraft auszusteigen. Kein Scherz. Im März schloss die Trump-Regierung einen Deal mit TotalEnergies – also dem Konzern, der jetzt in Deutschland aussteigt, wohlgemerkt. Eine Milliarde Dollar dafür, dass der Konzern seine Windprojekte vor den Küsten von North Carolina und New York aufgibt und stattdessen stärker in fossile Energie investiert. Ende April folgte die nächste Runde: Bluepoint Wind und Golden State Wind erhielten zusammen knapp 900 Millionen Dollar für den Verzicht auf ihre Offshore-Pachtverträge. Beide Projekte wären zusammen in der Lage gewesen, nach Fertigstellung mehr als zwei Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen.
Die US-Regierung nennt das „Investitionen in bezahlbare, zuverlässige Energie“. Also das, was Merz und seine Regierung in Deutschland auch versprechen. Nur: In den USA wird gehandelt, in Deutschland wird abgeschrieben.
Mehr: „Nur dumme Menschen kaufen Windräder!“ Trump zertrümmert deutsche Energiepolitik
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Andreas Moring
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