Wer einen limitierten Ferrari will, muss zuerst das E-Auto kaufen
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Ferrari setzt offenbar auf eine neue Form der Kundentreue: Wer künftig Zugang zu besonders begehrten Sondermodellen haben will, soll zunächst das neue Elektroauto der Marke kaufen. Ferrari nutzt Bestellungen für den elektrischen „Luce“ als eine Art Loyalitätstest für seine Kunden, berichtet Bloomberg aus Insider-Kreisen.
Der neue vollelektrische Ferrari Luce kostet rund 550.000 Euro und erhielt wegen seiner markanten Optik direkt nach der Präsentation viel Kritik. Doch innerhalb des Ferrari-Sammlernetzwerks mausert sich der Luce zu einem Zwangserfolg: Wer den „Luce“ kauft, verbessert seine Chancen auf spätere, exklusivere Modelle. Ferrari-CEO Benedetto Vigna berichtete kürzlich, dass die Auftragsbücher für den „Luce“ bis Ende 2027 gefüllt seien.

Markant: Die Scheibenwischer des Luce ruhen an den A-Säulen.
Ganz neu ist dieses Prinzip bei Ferrari nicht. Der Sportwagenhersteller aus Maranello arbeitet seit Jahren mit einem Zuteilungssystem. Stammkunden, die regelmäßig Fahrzeuge kaufen, erhalten bevorzugten Zugang zu limitierten Sondermodellen. Ein Beispiel ist der LaFerrari Aperta, der rund 1,9 Millionen Euro kostete und nur ausgewählten Kunden angeboten wurde.

Der LaFerrari Aperta wurde nur 210 Mal gebaut. Das 210. Modell wurde von Sotheby’s für 8,3 Millionen Euro versteigert.
„Wie ein Restaurant, in dem man unmöglich einen Tisch bekommt“
Max Girardo, Gründer der Sammlerauto-Beratung Girardo & Co., vergleicht gegenüber Bloomberg Ferraris System mit einem beliebten Spitzenrestaurant: „Es ist wie in einem Restaurant, in dem man unmöglich einen Tisch bekommt. Wenn man jede Woche hingeht, bekommt man irgendwann einen. Bei Ferrari gilt: Je mehr man kauft, desto eher wird man als wichtiger Kunde behandelt.“
Der Hinweis, den „Luce“ zu kaufen, kommt für Ferrari zu einem heiklen Zeitpunkt. Das erste rein elektrische Modell der Marke wurde erst im vergangenen Monat vorgestellt – und stieß sofort auf massive Kritik. Vor allem das Design sorgte für Spott. Statt der klassischen Ferrari-Linien präsentierte das Unternehmen ein viertüriges Modell mit weichen Formen und abgerundeten Kanten.

Rundleuchten am Heck erinnern an das klassische Ferrari-Design.
Bloomberg führte Gespräche mit mehreren Investoren und Sammlern aus Italien, China und anderen Ländern. Sie berichten übereinstimmend: Ferrari soll Kunden nach der Präsentation deutlich gemacht haben, dass der Kauf des „Luce“ für ihre Stellung innerhalb der Marke eine Rolle spielen kann. Ein Käufer berichtete, Ferrari habe ihm zu verstehen gegeben, dass die Bestellung wichtig sei, wenn er seinen Platz unter den Top-Kunden behalten wolle.
Ein anderer Sammler sagte, Ferrari signalisiere vor allem potenziellen Neukunden, dass der Zugang zu künftigen Einzelstücken oder besonders seltenen Modellen zunächst über den Kauf des „Luce“ oder günstigerer Einstiegsmodelle führen könne.

Ferrari kombiniert digitale Anzeigen mit einer echten, schwebenden Zeigernadel – eine Reminiszenz an analoge Zeiten.
Ferrari bestätigte auf Anfrage, dass das Unternehmen bei stark nachgefragten Modellen auf Kunden mit „langfristigen, starken Beziehungen“ setze. Dabei gehe es nach Angaben des Herstellers aber nicht darum, ob ein Kauf das Kundenranking verbessere, sondern um die persönliche Verbindung des Kunden zum jeweiligen Modell.
Ferrari baut weniger als 14.000 Autos pro Jahr. Die künstliche Verknappung ist seit Jahrzehnten Teil des Geschäftsmodells. Ähnlich gehen auch Luxusmarken wie Hermès vor: Wer begehrte Taschen kaufen will, hat oft bessere Chancen, wenn er zuvor bereits andere, weniger gefragte Produkte erworben hat.
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Philippe Fischer
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