Exklusiv! Mehr als 1.000 Straftaten gegen die AfD in NRW im Jahr 2025 – Ermittlungen zu Anschlägen bislang erfolglos
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Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat Details zu Angriffen auf AfD-Parteibüros in Wuppertal und Mönchengladbach bekanntgegeben. Aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Markus Wagner, die NIUS exklusiv vorliegt, geht hervor, dass mehrere Ermittlungsverfahren inzwischen eingestellt wurden – mangels Tatverdächtiger. Gleichzeitig zeigen aktuelle Zahlen einen massiven Anstieg politisch motivierter Straftaten gegen die AfD in Nordrhein-Westfalen.
Im Mittelpunkt der Anfrage stehen mehrere Vorfälle aus dem Jahr 2025. Konkret geht es um Angriffe auf AfD-Parteibüros beziehungsweise Einrichtungen mit AfD-Bezug in Wuppertal, Mönchengladbach und Gummersbach. Dabei sollen unter anderem rosa Farbe und teilweise mit Farbe gefüllte Behälter eingesetzt worden sein. Die Landesregierung verweist in ihrer Antwort auf laufende beziehungsweise bereits eingestellte Ermittlungsverfahren.
Welche Fälle konkret gemeint sind
Laut dem nordrhein-westfälischen Justizministerium beziehen sich die Ermittlungen insbesondere auf Vorfälle vom 6. Juni 2025, 19. Juni 2025 sowie 6. Juli 2025 in Wuppertal. Diese Verfahren wurden wegen Sachbeschädigung geführt. Die zuständige Staatsanwaltschaft Wuppertal stellte die Ermittlungen jedoch gemäß § 170 Absatz 2 StPO ein, weil weder Tatverdächtige noch konkrete Täterhinweise ermittelt werden konnten.

Leon Bergen ist AfD-Kreisvorstandsmitglied und Stadtverordneter der Stadt Wuppertal. Er wurde im Juli 2025 Opfer eines linksextremen Anschlags.
Die Zahl linksextremistischer Straftaten in NRW hat sich 2025 laut Innenministerium mit über 2.400 Fällen mehr als verdoppelt, auch Sachbeschädigungen und Gewaltdelikte legten deutlich zu – letztere um rund 78 Prozent.
Anders stellt sich die Lage im Zuständigkeitsbereich Köln dar. Dort dauern die Ermittlungen nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts weiterhin an. Details zu möglichen Verdächtigen oder Ermittlungserfolgen nennt die Landesregierung nicht.

Die demolierten Jalousien und Scheiben der Geschäftsstelle
Ein Schwerpunkt der Anfrage waren mögliche Zusammenhänge zwischen den Taten, denn: Bei mehreren Angriffen in Wuppertal und Gummersbach wurde rosa Farbe verwendet. Konkrete Verbindungen zwischen den Fällen konnten laut Landesregierung allerdings bislang nicht festgestellt werden. Auch die Frage nach möglicherweise identischen Farblieferungen oder derselben Farbcharge blieb unbeantwortet.
Deutlicher Anstieg der Straftaten gegen die AfD
Besonders brisant ist die Entwicklung der Gesamtzahlen politisch motivierter Straftaten gegen die AfD in Nordrhein-Westfalen. Während die Behörden für die Jahre 2013 bis 2018 noch keine systematische statistische Erfassung nach Angriffszielen vorgenommen hatten, existiert seit 2019 eine gesonderte Zuordnung zum Angriffsziel „AfD“.
Die Zahlen zeigen seitdem erhebliche Schwankungen – mit einem deutlichen Höchststand im Jahr 2025. Wurden 2023 noch 76 Straftaten registriert, stieg die Zahl 2024 auf 378 Fälle und erreichte 2025 schließlich 1.053 Delikte.
Besonders stark nahm die Zahl der Sachbeschädigungen zu: von 166 Fällen im Jahr 2024 auf 567 Fälle im Jahr 2025. Auch Beleidigungen stiegen deutlich an – von 71 auf 150 registrierte Fälle. Ebenso wurden mehr Körperverletzungsdelikte, Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und sogenannte sonstige Straftaten registriert.

Hier sieht man das ganze Ausmaß der Beschädigungen.
Äußerungsdelikte und sonstige Straftaten im Überblick
Äußerungsdelikte
Unter die klassischen Äußerungsdelikte fallen insbesondere Straftaten, bei denen Worte, Parolen oder kommunikative Handlungen im Mittelpunkt stehen.
-
Beleidigungen:
2019: 32 Fälle
2020: 47 Fälle
2021: 33 Fälle
2022: 31 Fälle
2023: 21 Fälle
2024: 71 Fälle
2025: 150 Fälle -
Volksverhetzungen:
Schwankend zwischen null und einem Fall pro Jahr, zuletzt 2025 ein registrierter Fall. -
Störung des öffentlichen Friedens:
Zwischen null und drei Fällen jährlich. -
Bedrohungen und Nötigungen:
Anstieg von einem Fall im Jahr 2019 auf zwölf Fälle im Jahr 2025. -
Verstöße gegen §§ 86, 86a StGB (Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen):
Deutlicher Anstieg auf 32 Fälle im Jahr 2025.
Andere Straftaten
Deutlich umfangreicher sind die Delikte, die auf direkte Angriffe gegen Personen oder Sachen abzielen.
-
Sachbeschädigungen:
Mit Abstand häufigste Deliktsgruppe.
Höhepunkt 2025 mit 567 Fällen. -
Körperverletzungsdelikte:
Anstieg von 18 Fällen im Jahr 2019 auf 25 Fälle im Jahr 2025. -
Branddelikte:
Vereinzelt registrierte Fälle in den Jahren 2019 und 2022. -
Landfriedensbruchdelikte:
Einzelne Fälle, zuletzt ein registrierter Fall im Jahr 2025.

Die Landesregierung macht in ihrer Antwort keine Angaben dazu, welche politischen Hintergründe oder Tätergruppen hinter den einzelnen Delikten stehen könnten. Ebenso bleibt offen, ob zwischen den verschiedenen Angriffen auf AfD-Einrichtungen organisatorische oder personelle Verbindungen bestehen.

Markus Wagner, Politiker der AfD-Fraktion, bei seiner Rede 121. Sitzung des Landtags Nordrhein-Westfalen am 6. Mai.
Markus Wagner, innenpolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, gibt gegenüber NIUS Politikern wie Hendrik Wüst (CDU), Karl-Josef Laumann (CDU) und Rainer Schmeltzer (SPD) eine Mitschuld an der Zunahme von Übergriffen: „Sie und viele andere haben durch ihre Rhetorik die gefährliche Grundlage für diese Angriffe mitgeschaffen. Es sind die Taten, die ihren Worten folgen.“ Wer wie Ministerpräsident Wüst die AfD als Nazi-Partei verunglimpfe und damit die Opfer des Holocaust missbrauche, nehme Gewalt gegen Andersdenkende in Kauf. „Für uns als AfD ist klar: Der politische Meinungsstreit darf ausschließlich demokratisch mit Worten geführt werden – niemals mit Gewalt, Einschüchterung oder Sachbeschädigung.“
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